Kaiserliches Patentamt
Patentschrift N° 30105
Klasse 21 : Elektrische Apparate.

Paul NIPKOW in BERLIN,
"Elektrisches Teleskop",
Patentiert im Deutschen Reiche vom 6. Januar 1884 ab.
Angegeben den 15. Januar 1885.


 

Notice 

Version PDF : pages 1, 2, 3, 4, 5.

Der hier zu beschreibende Apparat .hat den Zweck. ein am Orte A befindiiches Object an einem  beliehigen anderen Orte B sichtbar zu machen: derselbe wird durch die beiliegenden Zeichhungen des Näheren dargestellt.

In Fig. 1 ist T  eine leichte Scheibe, welche durch ein Uhrwerk schnell, aber gleichmässsig um ihre Achse gedreht werden kann.   D1, D2, D3... sind durch die Scheibe gebohrte,. auf eine  Spirale in gleichmässigen Abständen vertheilte Oefnungen.

Fig. 2  zeigt die Scheibe  T  im Querschnitt: D ist eine der erwähnten Oeffnungen mit der zweckmässigen  Form der  Scheibenwandung, F  die Achse, welche durch ein Zahnrad mit Einem  Uhrwerk in Verbindung steht.   In dem Rohr H  lässt sich eine convexe Linse G mit ihrer  Fassung  verschieben.    H  ist so gelagert, dass man bei   einer Umdrehung der Scheibe Oefnungen D1, D2, D3, ... durch die Linse G sehen kann : der Durchmesser von H ist so gewählt das nur immer eine einzige Oeffnung sichbar ist.  Das Rohr J, welches H gerade gegenüber auf der anderen Seite der Scheibe T angeordnet  ist, wird einerseits durch die Linse K, anderseits  durch  den  Hohlspiegel C  geschlossen : es hat denselben Durchmesser wie H und ist an den Innenwänden durch Politur reflexionfähig  gemacht.  Die  im  Hintergrunde von J  angebrachte  Selenzelle L  ist  in  den Stromkreis L M N eingeschaltet; in demselben ist Stromquelle.  N  eine auf einer Station II angeordnete Spule.

Fig. 3 stellt die Station II dar.  Die Spule N ist. um den Körper  O gewickelt, welcher gezeignet ist,  die Polarisationsebene eines ihn durchlaufenden polarisirten Lichtstrahles unter dem Einfluss eines die Spirale durchstreichenden elektrischen Stromes zu drehen, z. B. ein Cylinder aus Faraday'schem schweren Glase oder eine mit Schwefelkohlensroff gefüllte, beiderseits durch ebene Glasplatten geschlossene Röhre. P ist eine Lichtquelle,  Q eine convexe Linse, R und S sind Nicol'sche Prismen, T1 .ist eine zweite Scheibe, welche der beschriebenen durchaus gleicht, auch ebenso schnell gedreht wird wie T. Das Rohr U endlich ist dem Apparatsatz Q R O S gerade gegenüber auf der anderen Seite der Scheibe T1, angebracht; es hat denselben Durchmesser wie H und J;  das Auge V sieht bei ciner Umdrehung der Scheibe T, alle Oeffnungen D1, D2, D3 . . .  nach  einander in seinern Gesichtsfelde.

Der Apparat wird in folgender Weise in Betrieb gesetzt:

  Nachdem man durch Bedecken der Linse G die Selenzelle L von allem Lichte abgeschnitten hat, schliesst man den Stromkreis L M N und lasst  auf II  den Analysator S  so stellen,  dass alles  von  P  kommende  Licht,  nachdem  es durch Q parallel gemacht und durch R polarisirt  worden,  ausgelöscht  wird,  dass  also  das Auge V die gerade in seinem Gesichtsfelde befindliche Oeffnung der Scheibe T, nicht beleuchtet  sieht.   Nun wirst man  mittelst  der Linse G ein reelles Bild des wiederzugcbenden Objectes auf die Scheibe T und setzt diese selbst  und  die  Scheibe T,  in  gleichmässige, gleich schnelle Bewegung.  In demselben Momente, in dem etwa die Oeffnung D20 in das von G entworfene Bild eintritt, muss auch die gleichnamige Oeffnung der Scheibe T1 im Gesichttfelde des Auges V erscheinen. Bei jeder vollen Umdrehung der Scheibe T wird die ganze Fläche des von G entworfenen Bildes von den Oeffnungen D1, D2, D3... bestrichen, die Bahnen  derselben sind dicht neben einander liegende Linien, ebenso bestreichen die durch die Scheiben T1 gebohnen Oeffnungen das ganze Gesichtsfeld des Auges V.  So oft nun eine der Oeffnungen D1, D2, D3, . .. auf eine Lichtstelle des von G entworfenen Bildes trifft, fällt das Licht durch die Linse K und den Hohlspiegel C concentrirt auf die Selenzelle L, die Selenzelle verringert ihren ektrischen Widerstand, der durch L M N kreisende Strom wird verstärkt, die Ebene,  in welcher das von P kommende Licht polarisirt ist, wird stärker gedreht,  das nicht mehr ganz durch  S ausgelöschte Licht dringt durch die gleichnanmige Oeffnung der Scheibe T, in das Auge V.  So oft also one Oeffnung der Scheibe T auf eine Lichtstelle des von G gelieferten Bildes trifft, sieht auch das Auge V  Lichtpunkte, und zwar ganz an den entsprechenden Stellen seines Gesichtsfeldes; da es nun aber einen momentanen Lichteindruck 0,1 bis 0,5 Secunden empfindet, so siebt es nicht die Punkte nach einander, sondem neben einander, aiso ein einheitliches Bild, wenn beide Scheiben in 0,1 Secunde eine Umdrehung vollenden.

Anstatt dfr Scheiben T und T1 kann man auch Apparate, wie sie bei den Pan- und Copirtelegraphen verwendet werden, benutzen, indem man anstatt des Contactsiftes, welcher die ganze Bildfläche befährt, eine Oeffnung anordnet, durch welche allein Licht von der einen Seite des Apparates zur anderen gelangen kann.

Stellt man in einem gewissen Winkel vom Rohre H1 den Mittelpunkt der Scheibe als Scheitel genommen, einen zweiten Apparatsatz G' H' J' K' L' C' auf, verbindet L' mit einer zweiten Batterie M’  und cuiem zweiten, auf Station II entsprechend gelagerten Apparatsatz N' O' P' Q' R' S' U', so sieht man durch U und U’ binocular und stereoskop. An den Scheiben T und T1 können noch mehrere Röhrenpaare H  J u. s. w. angebracht werden, so dass man nach verschiedenen Seiten elektroteleskopisch verkehren kann, ohne neuer Scheiben zu bedürfen.

Man schliesst zweckmässig den Stromkreis L M auf I durch eine primäre Spule, die Enden einer  um diese  gewundenen Secundärspule führt man nach II, muss dann aber den Analysator S so stellen, dass, wenn ein negativer Strom von bestimmter Stärke die Spule N durchläuft, alles Licht ausgelöscht wird, dass  die Stärke des Lichtes mit schwimdendem negativen Strom, mit Stromlosigkeit, eintretendem und wachsendem positiven Strom zunimmt, oder umgekehrt.

  

Histoire de la télévision       © A. Lange

Dernière mise à jour : 14 janvier 2002