"Das Telectroscop" 
in Laterna Magica
Band XIV, Nr. 54, 
Leipzig, Mai 1898, pp. 24-26.

    

    Wie schon durch die Tageszeitungen bekannt sein wird, ist es dem polnischen Lehrer Szczepanik gelungen, das Problein des electrischen Fernsehens zu lösen. Der Erfinder kann mit seinem Apparate das Bild eines Gegenstandes, einer Scene etc., wie man es auf der Mattscheibe der photographischen Camera sieht, auf beliebige Entfernung mit Hülfe des electrischen Stromes übertragen. Szczepanik lässt das Linsenbild auf einen linienförmigen Spiegel fallen, d. h. auf einen Spiegel, der mit einer undurchsichtigen Farbe bedeckt ist, durch welche eine Linie gezogen ist, sodass nur in dieser Linie der blanke Spiegel hervortritt. Dieser Linienspiegel wird, wie leicht ersichtlich, nur einen linienförmigen Abschnitt des Linsenbildes reflectiren. Wird nun der Spiegel um eine geeignete Achse bewegt, so werden nacheinander alle Theile, des Linsenbildes darin gespiegelt; das Linsenbild wird in Linien aufgelöst. Die nacheinander von dem Spiegel reflectirten linienförmigen Bildabschnitte werden gegen einen zweiten Linienspiegel geworfen, der senkrecht zu dem ersteren steht und daher von den Linien-Abschnitten immer nur einen Punkt reflectirt. Wenn wir nun diesen zweiten Spiegel um eine geeignete Achse bewegen und den ersten Spiegel stehen lassen, so löst er den vom ersten Spiegel reflectirten linienförmigen Bildabschnitt in Punkte auf. Szczepanik setzt nun beide Spiegel gleichzeitig durch Electromagnete in Bewegung und durch geeignete Schwingungen erreicht er es, dass das ganze Linsenbild vom zweiten Spiegel nacheinander Punkt für Punkt in einer und derselben Richtung reflectirt wird. Die reflectirten Lichtstrahlen lässt der Erfinder auf eine Selenzelle fallen. Selen bietet an und für sich dem electrischen Strome einen grossen Widerstand dar, durch Beleuchtung [wird dabei] der Widerstand verringert und zwar um so mehr, je intensiver das auffallende Licht ist. Die Selenzelle ist nun mit einer Batterie verbunden und die Leitungsdrähte gehen zur Empfangsstation. Reflectirt nun das Spiegelpaar einen lichtschwachen Punkt des Linsenbildes, so bekommt man auf der Empfangsstation einen entsprechend schwachen Strom; einem hellen Punkt des Bildes entspricht andererseits ein starker Strom.

    In der Empfangsstation befindet sich ein Apparat mit einer intensiven Lichtquelle, welche durch eine feine Oeffnung in einem Schirm ein Strahlenbündel wirft. Diese Oeffnung wird durch den wechselnden electrischen Strom, der von der Aufgabestation kommt, je nach der Stärke desselben irisblendenartig erweitert oder geschlossen. Einem hellen Punkte im Originalbild entspricht also hier ein intensiver Lichtstrahl etc. Die durch die Oeffnung geworfenen Lichtstrahlen, welche den einzelnen Bildpunkten entsprechen, werden gegen zwei im rechten Winkel zueinander gestellte Linienspiegel gerichtet und von diesen auf einen Projectionsschirm reflectirt. Durch eine besondere Anordnung wird nun erreicht, dass diese Spiegel genau [dieselben Schwingungen aus] und infolgedessen werden die Lichtstrahlen im zweiten

und gleichzeitig dieselben Schwingungen ausführen, wie die Spiegel im Aufgabe -Apparat. Reflectiren die letzteren z. B. einen Punkt in der linken oberen Ecke des Originalbildes, so werfen die Spiegel im Empfangsapparat gleichzeitig einen Lichtstrahl nach der linken oberen Ecke des Projectionsschirmes und zwar entspricht der Lichtstrahl der Helligkeit des betreffenden Bildpunktes etc. Das ganze Originalbild wird so punktweise auf den Projectionsschirm übertragen. Dies geschieht aber mit grosser Geschwindigkeit; in einem Zehntel einer Secunde sind alle Punkte auf den Schirm projicirt (sic). Das Auge vermag so schnell aufeinander folgende Reize nicht zu trennen und bekommt den Eindruck eines vollständigen Bildes.

   Szczepanik hat überdies noch eine Anordnung getroffen, dass das Bild in Farben übertragen wird. Der Neuen Freien Presse zufolge ist die Schwierigkeit der Farbenreproduction in folgender Weise gelöst: Es ist eine bekannte Thatsache, dass, wenn man ein Papier in gelber Farbe dicht linirt und dann quer darüber linirt, dem Auge die Mischfarbe Orange erscheint. Davon ist der Erfinder ausgegangen. Wie oben gesagt, führen die Spiegel der Apparate gleichzeitig genau [dieselben Schwingungen aus] und infolgedessen werden die Lichtstrahlen im zweiten Apparat stets genau unter demselben Winkel reflectirt, unter dem die entsprechenden Strahlen im ersten Apparat auffallen. Szczepanik befestigt nun in beiden Apparaten ein Prisma und zwar so, dass alle Strahlen durch diese Prismen durchgehen und sich darin brechen müssen. Dadurch wird nichts anderes erzielt, als dass das Bild in seinen Farben filtrirt wird. Infolge der Gleichheit der Winkel, welche die Strahlen mit den Spiegeln einschliessen, fällt auf ein und denselben Punkt in beiden Apparaten die gleiche Farbe des gebrochenen Strahles. Es sind nun an zwei solchen correspondirenden Punkten die Selenzelle und die Austrittsöffnung der Strahlen, die sich zum Bilde zusammensetzen, angebracht. Soll ein Orangepunkt hervorgebracht werden, so wird in der einen Linie auf die Selenzelle die gelbe Farbe, in der nächsten Linie wird der Nachbarpunkt des gelben Punktes in Folge der Schwingungen des Spiegels als Roth auf die Selenzelle wirken. Bei der Reproduction wirken die Nachbarpunkte zusammen Orange.

    Betreffs der Selenzelle ist noch ein Nachtrag zu machen. Das Selen, welches dem electrischen Strom Widerstand bietet, wird durch Beleuchtung leitend gemacht; es behält aber ein Leitungsvermögen noch eine kurze Zeit bei. Um die dadurch eintretenden Störungen zu vermeiden, verwendet der Erfinder eine aus isolirten Selenzellen bestehende Scheibe, welche durch ein Uhrwerk in beständiger Drehung erhalten wird; den Lichtwirkungen wird somit jeden Augenblick eine andere Zelle geboten.

    Die Umschau theilt mit, dass der Apparat vor geladenen Gästen demonstrirt wurde, und nach Augenzeugen soll die Uebertragung von Bildern in vollendeter Weise gelungen sein; zwar seien die Farben noch etwas unklar und die Bilder etwas zitterig - ein Uebelstand der ja auch dem Kinematographen noch anhaftet. Der Apparat wurde der Centralcommission der Pariser Weltausstellung vorgeführt und wird dort wohl den Hauptanziehungspunkt bilden. Den Ausstellungsbesuchern soll in Paris das Leben am Strande von Trouville vorgeführt werden.

   Es ist noch zu erwähnen, dass Szczepanik zu seiner Erfindung durch das im Jahre 1892 von R. Ed. Liesegang geschriebene Buch Beiträge zum Problem des electrischen Fernsehens angeregt wurde, und dass er persönlich nach Düsseldorf kam, um dem Verfasser seinen Dank auszusprechen. (1)

 

 

(1) Note. La référence de l'article n'est pas tout à fait correcte. L'ouvrage de Liesegang est paru en 1891 et non en 1892. LIESEGANG, R. E., "Beiträge zum Problem des electrischen Fernsehens" in Probleme der Gegenwart, Band 1, Ed. Liesegang Verlag, Düsseldorf, 1891, 130 Seiten.

 

  

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     Cet article est attribué par Klaus Beneke à Raphael Eduard Liesegang (1869-1947). Paru dans Laterna Magica, il est un des exemples, parmi d'autres, de l'écho obtenu dans la presse germanophone par la démonstration du Fernseher réalisée par le polonais Jan Szczepanik, probablement début 1898.

Ce texte nous a été aimablement communiqué par Klaus Beneke (Universität Kiel).

 

 

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Histoire de la télévision      © André Lange
Dernière mise à jour : 28 janvier 2002